Validation in der Pflege

Die Arbeit mit dementen Menschen fordert von allen Beteiligten große Kraftanstrengungen und ständige Bereitschaft. Besonders bei fortschreitender Krankheit verändert sich die Persönlichkeit des Patienten oft so stark, dass Pflegekräfte und Angehörige am Rande ihrer Möglichkeiten stehen, zu dem Pflegebedürftigen durchzudringen. Das Prinzip der Validation geht auf die Gerontologin Naomi Feil zurück und bietet eine Möglichkeit, das Zwischenmenschliche in der Pflege nicht zu vernachlässigen.

Die demente Patientin schaut unentwegt aus dem Fenster – draußen auf dem Parkplatz steht ein weißes Auto. Sie ist fest davon überzeugt, dass ihr Mann jeden Moment aus dem Auto steigt und nach Hause kommt. Doch ihr Mann ist bereits seit einigen Jahren verstorben. Wie geht man als pflegender Angehöriger oder als Pflegekraft mit dieser Situation um?

Im konkreten Fall muss man akzeptieren, dass in der Welt des Patienten eine andere Realität herrscht. Um zu ihm durchdringen zu können, muss man diese Realität akzeptieren und ein Teil von ihr werden. Dies gibt dem Patienten das Gefühl, ernstgenommen und respektiert zu werden. Es wird eine Kommunikationsebene geschaffen, die die Würde des Patienten wahrt. Genau bei diesem Grundbedürfnis aller Menschen setzt das Prinzip der Validation an, das auf die Gerontologin Naomi Feil zurückgeht.


Kommunizierendes Pflegen

Die Validation versucht die Lebenswelt von dementen Patienten zu begreifen und Vertrauen zu schaffen. Validation leitet sich von valor (Latein für „Wert“) ab und steht für einen wertschätzenden und respektvollen Umgang mit Menschen, die bedingt durch Krankheit mit den Irrungen und Wirrungen des Alltags nicht mehr fertig werden, und daher auf Pflege angewiesen sind.

Ziel ist, das Selbstwertgefühl des Pflegebedürftigen zu erhalten und das Wohlbefinden seiner betreuenden Familie zu fördern. Es soll ein geborgenes Umfeld für den Patienten geschaffen werden, in dem leicht eine Beziehung zur Pflegeperson aufgebaut werden kann. So kann die persönliche Realität des anderen erforscht werden und individuell darauf eingegangen werden. Im Rahmen der Validation wird die veränderte Wahrnehmung des Patienten für diesen als gültig akzeptiert (validiert). Es wird auf eine korrigierende Sprache verzichtet und versucht, die Bedürfnisse des Pflegebedürftigen verbal zu spiegeln. Nicht der Pflegebedürftige soll „zurück in die Realität“ geholt werden, sondern seine Wahrnehmung für ihn als die richtige akzeptiert und bei der Aufarbeitung von Erlebtem unterstützt werden. Validation ist demnach keine Heilmethode, sondern eine entlastende Begleitung für den Patienten.


Probleme behutsam auflösen

Das eingangs erwähnte Beispiel ist nur eines von vielen Beispielen, in denen sich die Lebenswelt des dementen Patienten von der objektiven Realität unterscheidet. Oft führt dieser Unterschied zu amüsanten Situationen. In vielen Fällen erleben demente Menschen jedoch belastende Situationen erneut. Sie verspüren Angst oder Verzweiflung oder wissen nicht, wo sie sich befinden. In diesen Momenten kommt es auf das Einfühlungsvermögen und die respektvolle Kommunikation der Pflegeperson an. Die Validation erkennt an, dass die Gefühle des Patienten echt sind und geht auf diese ein. Dies setzt jedoch voraus, dass man versteht, worum es sich bei Demenz eigentlich handelt.


Die Krankheit verstehen

Um zu verstehen, wie Sie am besten mit einem dementen Menschen kommunizieren, ist es wichtig zu wissen, was bei einer Demenzerkrankung geschieht. Naomi Feil fasst hier vier Stadien der Erkrankung zusammen:

  1. Schwierigkeiten, sich zeitlich und örtlich zu orientieren. Viele Betroffene erkennen zwar ihr Problem, versuchen es jedoch zu überspielen.
  2. Rückzug zu Zeiten und Orten der eigenen Vergangenheit
  3. Verlust des Denk- und Sprachvermögens. Einige Demenzpatienen drücken sich durch Bewegungen mit dem Körper aus, wie Klopfen oder durch Auf- und Abgehen.
  4. Das letzte Stadium der Krankheit zeichnet sich durch Apathie und Rückzug aus. Oft werden Bekannte und Familie nicht mehr erkannt.


Je nach Stadium der Krankheit variiert der Anteil an verbaler und nonverbaler Kommunikation. Ungeachtet, in welchem Stadium sich der Patient befindet, sollte versucht werden, sich auf seine Ebene zu begeben und ihn dort abzuholen, wo er sich befindet. Aktives Zuhören spielt hierfür ebenso eine Rolle wie erforschende Fragen, das Spiegeln von Gefühlen und Geäußertem über Sprache und Körper. Dieser Ansatz hat seinen Ursprung in der humanistischen Psychologie und der Identitätstheorie nach Erikson sowie in Arbeiten von Siegmund Freud und Carl Gustav Jung. Das klingt nach kompliziertem theoretischen Überbau, doch im Kern heißt es einfach Mensch zu sein. Es heißt, das Grundbedürfnis jedes Menschen nach Sicherheit, Verständnis und Wertschätzung zu stillen.


Den Menschen verstehen

Herauszufinden, wer der Pflegebedürftige tatsächlich ist, ist gerade bei Demenzpatienten eine große Herausforderung. Durch die Krankheit gehen viele Identitätsmerkmale verloren. Eine wirkungsvolle Biographiearbeit hilft, sich in denjenigen hineinzuversetzen und nachzuvollziehen, wo er sich gedanklich befindet. Sie bietet eine Hilfe, die oft für Außenstehende schwer verständliche Gefühlswelt des Patienten zu entschlüsseln und Pflege zu personalisieren. Erfahren Sie hier mehr über Biographiearbeit in der Pflege.

Einen solchen Ansatz in der Pflege zu verfolgen, kostet Mühe und besonderes Engagement vonseiten der Pflegeperson und der Angehörigen. Beim Flechtinger Pflegedienst steht seit Beginn unserer Tätigkeit der Mensch im Mittelpunkt. Wir sehen keine Pflegefälle, sondern den Menschen hinter der Krankheit. Wir sind uns des Nutzens einer solchen Pflegekultur für den Patienten bewusst:

  • Wiederherstellung des Selbstwertgefühls
  • Abbau von Stress
  • Verarbeitung von Erlebtem und ungelösten Konflikten
  • Verringerung von gefühltem pflegerischem Zwang
  • Verbesserung der verbalen und nonverbalen Kommunikation
  • Kein Rückzug ins Vegetieren
  • Erhöhte Lebensqualität


Zwar kann eine Demenzerkrankung nicht mehr aufgehalten werden. Doch mit einer einfühlsamen und individuellen Pflege wollen wir beim Flechtinger Pflegedienst die Lebensqualität unserer Patienten und Gäste steigern. Interessieren Sie sich für unser Pflegeangebot? So individuell wie die Pflege an sich ist bei uns auch die Beratung von Pflegebedürftigen sowie deren Angehörigen.

Geänderte Besuchsregelung / Testpflicht für alle Besucher

Liebe Angehörige und Besucher,

die aktuelle SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung des Landes Sachsen-Anhalt sowie das aktuelle Infektionsschutzgesetz und die bundesweit in Kraft getretene Coronavirus-Testverordnung regeln maßgeblich die Besuche in Pflegeeinrichtungen.

Ein negatives Coronavirus-Testergebnis ist Voraussetzung für den Zutritt in unsere Einrichtung – dies ist unabhängig vom Impfstatus.

Bitte beachten Sie, dass wir als Pflegeeinrichtung nach § 6 Abs. 1 der Coronavirus-Testverordnung nicht dazu berechtigt sind, einen 3G-gültigen Testnachweis auszustellen.

Um unsere Bewohner und Mitarbeiter weiterhin vor einer Infektion zu schützen, ist es unbedingt erforderlich, sich an die Anweisungen des Pflegepersonals zu halten!

  • Klingeln Sie bitte (auch wenn die Haustür offen ist) und melden sich beim Personal an.
  • Desinfizieren Sie ihre Hände und legen unverzüglich den von uns bereitgestellten medizinischen Mund-Nasen-Schutz
  • Halten Sie den nötigen Sicherheitsabstand ein.
  • Tragen Sie während des gesamten Aufenthalts den Mund-Nasen-Schutz.
  • Bitte betreten Sie nicht die Gemeinschaftsräume.
  • Unsere Mitarbeiter sind verpflichtet einen Anwesenheitsnachweis zu führen.


Herzlichen Dank für Ihr Verständnis!

Die Geschäftsleitung

Flechtingen, 24.11.2021